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« Ist es hochmütig zu sagen, Christus sei der einzige Erlöser? »

In Wirklichkeit – so Ratzinger – ist der Relativist der Hochmütige.

ROM, Montag, 2. Dezember 2002- Ist der Anspruch der Christen, Jesus als den einzigen Erlöser der Menschheit zu verkündigen, hochmütig? Kardinal Ratzinger, der Präfekt der Glaubenskongregation, warf während einer Konferenz, die im spanischen Murcia stattfand, diese Frage auf. In seiner Antwort erinnerte er an die Bedeutung der christlichen Mission.

Der Kongreß, an dem Kardinal Ratzinger teilnahm, war von der katholischen Universität San Antonio de Murcia (UCAM) organisiert worden und stand unter dem Thema: «Christus: Weg, Wahrheit und Leben». Er fand vom 28. November bis zum 1. Dezember statt.

«Ist es nicht arrogant, in religiösen Dingen von Wahrheit zu sprechen und zu der Behauptung zu kommen, die Wahrheit, die einzige Wahrheit in seiner eigenen Religion gefunden zu haben»? fragte Kardinal Ratzinger weiter.

Vor einer Zuhörerschaft von zirka 3000 hauptsächlich jungen Menschen erklärte der deutsche Kardinal, daß «der Zustand, nach dem man all jene wegen unangemessener Vereinfachung und Hochmut ablehnen darf, die man des Glaubens bezichtigen kann, die Wahrheit zu ‚besitzen‘, einen schlagwortartigen Charakter angenommen hat, der enorme Auswirkungen zeigt.»

Ratzinger legt eine These des Relativismus dar, wenn er hinzufügt, daß «solche Menschen anscheinend unfähig zum Dialog sind; man kann sie folglich nicht ernst nehmen, denn niemand ‚besitzt‘ die Wahrheit. Man kann nur auf der Suche nach ihr sein». «Aber», fragt er weiter, «um welche Suche handelt es sich denn, wenn man niemals ans Ziel gelangen kann? … Sucht man da denn wirklich, oder geht es nicht vielmehr darum, daß man die Wahrheit nicht finden will, weil es das, was man da findet, nicht geben darf?»
«Offensichtlich kann Wahrheit nicht etwas sein, das man ‚besitzt‘», erklärte er. «Der Wahrheit muß ich mich immer bescheiden ergeben; ich muß mir der damit verbundenen Gefahr bewußt sein; ich muß die Erkenntnis wie ein Geschenk entgegennehmen, dessen ich nicht würdig bin, dessen ich mich nicht so rühmen kann, wie wenn es sich um eine persönliche Errungenschaft handeln würde.»
«Wenn es mir gegeben wurde, die Wahrheit zu kennen, dann muß ich sie als Verantwortung begreifen, die auch an die Bedingung geknüpft ist, den Anderen zu dienen. Der Glaube beinhaltet im übrigen die Aussage, daß die Verschiedenheit zwischen dem von uns Erkannten und der eigentlichen Realität viel größer ist als die Ähnlichkeit (Lat IV DS 806)».

Ratzinger zeigte, daß in Wirklichkeit der Relativist der Hochmütige ist. «Ist es nicht hochmütig zu sagen, daß Gott uns das Geschenk der Wahrheit nicht machen kann? Ist es nicht ein Zeichen der Mißachtung Gottes zu sagen, daß wir blind geboren und nicht für die Wahrheit gemacht sind?»
Der «wirkliche Hochmut» bestehe darin, «den Platz Gottes einnehmen und selbst bestimmen zu wollen, wer wir sind und was wir aus uns und der Welt machen möchten».
Und Ratzinger erklärte weiter, daß «das einzige, was wir folglich tun können, darin besteht, in aller Demut anzuerkennen, daß wir unwürdige Boten sind, die nicht ihr Eigenes verkünden, sondern die mit einer heiligen Scheu von dem sprechen, was uns nicht gehört, sondern was von Gott kommt».
«Nur auf diese Weise bekommt Missionierung einen Sinn, der weder geistiger Kolonialismus ist, noch die Anderen meiner eigenen Kultur oder meinen Ideen unterwirft. Missionierung erfordert vor allem anderen eine Vorbereitung auf das Martyrium, eine Bereitschaft, sich aus Liebe zur Wahrheit und zum Nächsten selbst zu verlieren».
«Nur so ist Missionierung glaubwürdig», schloß Kardinal Ratzinger seine Ausführungen. «Die Wahrheit kann und darf keine anderen Waffen haben als sich selbst».

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