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Pantheismus

«Der wahre Mystiker ist eindeutig Pantheist; das heißt, daß für ihn Gott in allem und überall ist.
Für den Mystiker sind der Stein, der Baum, der Blitz genauso wie der Mensch selbst keine Geschöpfe Gottes, sondern sie sind aus der Natur Gottes, dem göttlichen Geist.
Dieses göttliche Wesen bildet alle Wirklichkeiten des Universums, das All-Sein; es hat notwendigerweise immer existiert.
Für das göttliche Sein kann es keinen Anfang gegeben haben, denn woher wäre es gekommen?
Für den Mystiker hat Gott die Erde, die fernen Welten und all die aus Materie bestehenden Dinge, die wir kennen, also nicht geschaffen.
Ihre Essenz, die Strahlungen und die Energien, aus denen sie bestehen, sind aus derselben Natur jener Göttlichen Intelligenz und haben immer existiert.»
Ralph M. Lewis, Imperator des Rosenkreuzerordens A.M.O.R.C., Das innere Heiligtum

Dieser pantheistischen Doktrin setzt das Christentum die Lehre von der Schöpfung entgegen, bei der Gott nicht mit der Welt verschmilzt, sondern diese in jedem Augenblick aus nichts erschafft.
Die Aussage bedeutet, daß Gott für die Schöpfung weder eine bereits existierende Materie, noch seine eigene Substanz transformiert, sondern daß er die Geschöpfe ins Sein setzt, die er will, und zwar durch sein Schöpfungswort: «Der Herr gebot und alles war da; er sprach, und sogleich geschah es» (Ps. 33(32),9).
Bei einem Vortrag, den Kardinal Ratzinger am 27. November 1999 an der Sorbonne hielt, trug er folgende Argumentation vor:
«Der Gott, an den die Christen glauben und den sie verehren, ist im Unterschied zu den mythischen und politischen Göttern wahrhaftig natura Deus; er genügt in dieser Hinsicht den Anforderungen der philosophischen Rationalität.
Aber gleichzeitig gilt der andere Aspekt: non tamen omnis natura est Deus – nicht alles, was Natur ist, ist Gott. Gott ist Gott von seiner Natur her, aber die Natur als solche ist nicht Gott. Es kommt eine Trennung zustande zwischen der universellen Natur und dem Wesen, das sie begründet, das ihr den Ursprung gibt.
Nur so kommen die Physik und die Metaphysik zu einer klaren Unterscheidung. Nur der wahrhaftige Gott, den wir durch das in der Natur liegende Denken anerkennen können, ist Gegenstand des Gebets. Aber er ist mehr als die Natur. Er geht ihr voraus, und sie ist sein Geschöpf.
Mit dieser Trennung zwischen der Natur und Gott verbindet sich eine zweite Entdeckung, die noch entscheidender ist: den Gott, die Natur, die Weltseele oder welchen Namen auch immer man ihm gab, konnte man nicht anbeten; er war kein „religiöser Gott“. Jetzt dagegen – und das sagt bereits der Glaube des Alten und noch mehr des Neuen Testaments – hat sich der Gott, der der Natur vorausgeht, den Menschen zugewandt.
Gerade weil er nicht einfach die Natur ist, ist er kein schweigender Gott. Er ist in die Geschichte eingetreten, er ist auf den Menschen zugegangen, und aus diesem Grund kann der Mensch ihm jetzt begegnen. Er kann sich mit Gott vereinen, weil Gott sich mit ihm vereint hat 1

 

Notes :

  1. Kardinal J. Ratzinger, „La Vérité du Christianisme?“ Vortrag an der Sorbonne vom 27. November 1999; La Documentation Catholique vom 2. Januar 2000 n° 2217, S. 32. [retour]

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