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Artisanat monastique

Der Holismus

«Die Anerkennung, daß Gott in seiner Ganzheit (=Holismus) die einzige wirkliche Wirklichkeit ist, stellt den wesentlichen Schlüssel zur ganzen Manifestation dar.

Jedes Element des Universums ist direkt oder indirekt mit dem Ganzen verbunden, und keinerlei Hindernis, keine Begrenzung der Zeit, des Raumes oder der Umstände können den jeweils angemessenen Energiestrom zwischen den verschiedenen, wesensverwandten Elementen des Ganzen blockieren.

Ich bin, was meine intimsten Gedanken sind, und von da aus erschaffe ich mein eigenes Universum, ich ziehe meine Umgebung an, ich manifestiere mein Sein in Beziehung zum Ganzen.

Gott ist alles, was ist. In ihm ist kein Mangel. Er ist die Wirklichkeit.

Je mehr sich unser Bewußtsein dieser Auffassung und diesem Verständnis öffnet, in desto engerer Verbundenheit leben wir mit dem Herzen dieser Wirklichkeit selbst, und desto fähiger werden wir, in allen Lebenslagen und auf allen Ebenen die Gesetze der Manifestation erfolgreich zu nutzen.

Indem ich mich mit dem Göttlichen verbinde, vereinige ich mich mit allen Dingen, und durch diese Vereinigung mit dem Ganzen werde ich zu einer Art höchstem Schöpfer».

David Spangler
Conscience et créativité, les lois de la manifestation
(Deutsch: Bewußtsein und Kreativität, die Gesetze der Manifestation)

Der Holismus (vom griechischen to holon «das Ganze») steht in enger Verbindung zum emanationistischen Monismus (=eine einzige ontologische Ebene): nur Gott ist; das ganze Universum entfaltet sich in Ihm wie eine innere Manifestation Seiner unendlichen Möglichkeiten. Derselbe D. Spangler schrieb auch: «Die Einheit ist die einzige Wirklichkeit und die Vielfalt ist ihre scheinartige Manifestation 1 ».

Die zeitgenössische Wissenschaft bestätigt ohne Frage die enge Interaktion zwischen den verschiedenen Teilen, aus denen ein physisches oder chemisches System oder ein biologischer Organismus zusammengesetzt sind. Die Hologrammtheorie, nach der die Informationen über das Ganze sich in jedem seiner Teile wiederfinden, erweist sich für ein besseres Verständnis bestimmter Aspekte komplexer Systeme als höchst fruchtbar.

Aber dieser Ansatz verneint nicht das Eigensein der das Ganze formenden Komponenten. Das Ganze ist aus unabhängigen Teilen zusammengesetzt, die eng interagieren. Die Interaktion begrenzt zwar die Eigenständigkeit, die mit den innerhalb des Ganzen gegebenen Abstufungen der Freiheit in Beziehung steht, aber es hebt sie nicht auf. Mehr noch: Es gäbe keine Inter-Aktion, wenn keine deutlich unterschiedenen, eigenständigen Individualitäten vorhanden wären, die sich wechselseitig beeinflussen können.

Die holistische Sicht betont einseitig die Beziehung auf Kosten der Substanz, obwohl es keine Beziehung ohne Gegenüber geben kann, das heißt ohne substanzielle Wesen, die miteinander in Beziehung stehen.

Wieder begegnen wir der Gefahr, daß dort, wo die wirkliche Unterschiedenheit der jeweiligen Substanz verneint wird, nicht nur alles Individuelle von dem Ganzen aufgesaugt wird, zu dem es gehört, sondern – und das ist das Wichtigste – die Beziehung zwischen Gott und der Welt verschwindet, und zwar auf Kosten der Welt, die sich in Gott, der einzigen Realität, auflöst.

Wenn der genannte Autor den Begriff «Schöpfer» benutzt, dann kann er das nur als Analogie und nicht im metaphysischen Sinn meinen. Nach ihm gibt es keine wirkliche Andersheit, sei sie ontologisch oder psychologisch, zwischen Gott und den Wesen, die lediglich Modalitäten seiner eigenen Existenz darstellen. In dieser Sicht findet die Unterscheidung Schöpfer/Geschöpf folglich keinen Platz; sie steht somit im Widerspruch zur jüdisch-christlichen Lehre, die von einer wirklichen Unterscheidung zwischen dem Schöpfergott und und dem Geschöpf ausgeht, einem Geschöpf, das er einzig durch die Macht seines schöpferischen Worts aus Nichts erschafft und in jedem Augenblick in der Existenz hält.

Wir haben soeben betont, daß es nach Meinung unseres Autors keine Beziehung zwischen Gott und den individuellen Wesen, ja sogar zwischen den Wesen selbst geben kann, da ihre individuelle Unterschiedenheit Schein sein soll. Demnach gäbe es nur eine Individualität: das göttliche Ganze, und jeder wäre dazu berufen, sich mit ihm in einer unpersönlichen Vereinigung zu identifizieren; umgekehrt könnte jedes Individuum für sich in Anspruch nehmen, mit Gott identisch zu sein, da es ein Modus des Einzigen Seins wäre.

Diese Auffassung schließt jede göttliche Andersheit und damit jede Möglichkeit von Gebet oder Anbetung aus; sie ist von daher für einen Christen unannehmbar, der sein Gebet durch den Sohn und im Heiligen Geist zu Gott, seinem Vater, emporsteigen läßt.

Schließlich sei besonders auf die idealistische Pointe des angeführten Zitats hingewiesen: Jedes Individuum «erschafft sein eigenes Universum» in dem Maß, in dem es sich dem Ganzen öffnet. Jeder wäre demnach frei zu bestimmen, was ihm, je nachdem wo er sich gerade in seiner Evolution befindet, an der Wirklichkeit entspricht.

Dieser ethische Relativismus ist für den gläubigen Menschen ebenfalls unannehmbar; er vertritt die Auffassung, daß den Werten kraft dessen, was Gott für den Menschen und die Schöpfung will, eine (gewisse) Objektivität und hierarchische Ordnung eigen sind.

 

Notes :

  1. D. Spangler, Révélation [retour]

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