«Beten ist eine Handlung der Anbetung. Zu Gott beten heißt, an ihn denken, heißt, sich ihm nähern. Im Gebet kann man dreierlei tun: Loben, bitten und danken.
Durch das Gebet zieht der Betende die guten Geister an, die sich dem Guten, das er tun will, anschließen.»

A. Kardek
Das Buch der Geister, Nr. 659 und 662

Man ist versucht, sich über die guten Neigungen der Geister zu freuen, aber was kann «Anbetung» eines unbekannten und unkennbaren Gottes bedeuten, der noch dazu als Erstursache der von uns wahrgenommenen Phänomene erscheint?
Es versteht sich von selbst, daß der Große Uhrmacher – sogar der Große Architekt – keinen Anlaß zur Anbetung gibt, außer wenn man mit dem Wort das spontane (natürliche) Gefühl des religiösen Menschen vor dem «Heiligen» bezeichnen will.
Auf jeden Fall kann die Anbetung, von der hier die Rede ist, nicht viel mit dem christlichen Verständnis dieses Begriffs zu tun haben, das die Möglichkeit einer persönlichen Beziehung zwischen Gott und dem Betenden voraussetzt. In den Botschaften der Geister ist aber niemals explizit die Rede von einem persönlichen Gott sogar dann, wenn er oft als Subjekt eines Tätigkeitswortes genannt wird.
Daher die Fragen: an was nähert man sich beim Beten an? Zu was steigen Lob, Bitte und Dank auf?
Es hat durchaus den Anschein, daß die Geister die Sprache des christlichen Betens aufgreifen, aber um es von seinem Ziel abzubringen und seines Inhalts zu berauben.

Darüberhinaus setzt das Gebet und damit notwendigerweise auch die Anbetung die Einwohnung des Heiligen Geists voraus, denn nur er allein kann uns lehren, «im Geist und in der Wahrheit anzubeten»: «Die Stunde kommt», offenbart uns Jesus, «zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.» (Joh. 4, 23)

Wir bleiben an der Schwelle der göttlichen Welt: auf das an den unbekannten Gott gerichtete Gebet antworten die Geister, indem sie ihre Dienste anbieten.

Schließlich fällt es uns schwer zu sehen, wie der zitierte Text mit der Nr. 660 in Einklang gebracht werden kann, wo das Gebet als eine «Selbstprüfung» definiert wird. Läuft «an Gott denken» auf eine prüfende Beschäftigung mit sich selbst hinaus? Könnte es sich um eine Anspielung auf das immanente Göttliche handeln, das Ziel der Wanderung der Wandelseele, die ihre eigentliche Identität sucht?