«Die Wesen, die sich (in den spiritistischen Sitzungen) mitteilen, bezeichnen sich selbst mit dem Namen ‚Geister‘ oder ‚Genien‘ sowie oftmals als Wesen, die bereits als Menschen auf der Erde gelebt haben.
Sie bilden die geistige Welt, indessen wir während unseres Lebens die körperliche Welt bilden.
Mit Tod bezeichnen wir die Zerstörung der groben physischen Hülle; der Geist bewahrt den Périsprit, eine Art halbmaterieller Hülle, die Körper und Geist verbindet; dieser Périsprit bildet für den Geist des Gestorbenen einen ätherischen Leib, der im normalen Zustand für uns unsichtbar ist. Der Geist des Toten kann ihn in seltenen Fällen sicht- und fühlbar machen, wie das beim Phänomen der Geistererscheinungen geschieht.
Der Geist ist keineswegs ein abstraktes, unbestimmtes Etwas, das nur gedanklich erfaßt werden kann; er ist ein wirkliches, festbestimmtes Wesen, das in besonderen Fällen durch den Gesichts-, Gehör- und Tastsinn erfaßbar wird.
Beim Verlassen des Körpers kehrt die Seele in die Welt der Geister zurück, von der sie ausging, um nach Ablauf kürzerer oder längerer Zeit, während der sie sich im Zustand des ‚Wandelgeists‘ befindet, eine neue materielle Existenz anzunehmen.
Die nicht verkörperten Geister oder ‚Wandelgeister‘ bewohnen keine bestimmte und begrenzte ‚Gegend‘: sie sind überall im Raum, an unserer Seite uns betrachtend und unaufhörlich uns umdrängend; eine ganzes unsichtbares Volk lebt und webt um uns herum.
Die Geister üben auf die sittliche und selbst auf die physische Welt unablässigen Einfluß aus. Sie wirken auf die Materie und auf die Gedanken ein; sie bilden eine der Kräfte der Natur, die wirkende Ursache für sehr viele Erscheinungen.
Die Beziehungen der Geister mit den Menschen sind konstant.
Die Kontakte der Geister mit den Menschen sind offen oder verborgen (okkult).
Die okkulten Kontakte bestehen aus dem guten oder bösen Einfluß, den sie ohne unser Wissen auf uns ausüben; die offenen Kontakte finden mittels der Schrift, des Worts oder anderer, die Materie nutzende Manifestationen statt. Meistens dient ihnen ein Medium als Werkzeug, um sich zu vermitteln.
Die Geister manifestieren sich spontan oder durch Beschwörung.»

Allan Kardec
Das Buch der Geister
Aus der Einleitung (eigene Übersetzung)

Als Gegenargument sei hier zunächst die Kritik des Okkultisten Paul-C. Jagot angeführt:
«Die okkulte Tradition beruft sich auf die einstimmige Überzeugung der Eingeweihten des Morgen- und des Abendlandes (insbesondere auf die Theosophen der Schule von Blavatsky, Leadbeater, Besant, auf die Rosenkreuzer und die Martinisten), wenn sie die spiritistische Lehre schlicht als eine Häresie ansieht.
Unsere Toten werden von ihrer posthumen Entwicklung in Beschlag genommen, die sie von den zu unserer Welt gehörigen Sorgen trennt, weshalb sie die Vermittlung eines Mediums nicht benutzen würden.
Nur die niedrigsten Wesen, die gerade aufgrund ihrer Niedrigkeit am meisten das Bedürfnis nach Kontakt mit unserer Existenzebene haben, würden sich für einige Augenblicke im Organismus des Mediums inkarnieren, dessen unter Umständen gegebene Bilokation (=Zweiörtlichkeit) ihnen den Zugang ermöglicht.
Elende Gespenster; einfachste Wesen (franz.: élémentaux); Geister, die in den schwerfällig-dichten Regionen des Astralen wohnen; primitivste Menschen, Gefangene der Sphäre, die der Erdanziehung unterliegt, an die sie ihre Stofflichkeit noch bindet; Selbstmörder oder Unfalltote, die voller Schrecken vor den Prüfungen des Fegefeuers sind, und die glauben, eine Zuflucht zu finden, wenn sie sich inkarnieren; haßerfüllte Gefolterte, unbußfertige Anbeter der Instinkte und der Materie: das sind diejenigen, die den Liebhabern des Tischerückens antworten.
Dies ist nicht lediglich eine Meinung.Tatsächlich übersteigen die spiritistischen Kontakte niemals das Niveau des kultiviertesten Teilnehmers; Zusammenhanglosigkeiten, Absurditäten, ja sogar Unanständigkeiten sind häufig der Fall; zahllos sind die von den ‚Geistern‘ ausgestoßenen oder diktierten Mystifikationen, Fehler und Perversitäten; im übrigen entziehen sie sich jeder Überprüfung ihrer Identität.
Vor allem findet sich nicht die geringste Offenbarung über das Jenseits, über irgendein wissenschaftliches Problem.
»

Okkultisten und Spiritisten sind folglich geteilter Meinung, was die Natur jener Wesen ist, die beim Tischerücken in Erscheinung treten. Es ist nichtsdestotrotz einigermaßen amüsant zu sehen, daß im obigen Text der Name Blavatsky genannt wird, da Madame Blavatsky den Spiritismus ‚von innen her‘ kennt und ohne Zögern mit Geistern arbeitet, aber natürlich nur mit den höheren, nicht mit den elenden Gespenstern, den einfachsten Wesen und anderen Geistern von untergeordneten Toten, die umherschweifen, um uns in die Irre zu führen.
Ansonsten stimmen wir der Kritik von P.-J. Jagot zu, wenn er sagt, daß die Seelen unserer Toten glücklicherweise anderes zu tun haben, als um die Menschen und die Orte herumzuspuken, die sie zu ihren Lebzeiten frequentiert haben.
Wir können ebenfalls bestätigen, daß die spiritistischen Mitteilungen kaum von Belang, voller Widersprüche und von Unkenntnis geprägt sind, insbesondere was wesentliche Fragen in Bezug zur Offenbarung und zum Gottesverständnis angeht.
Diese Geister, die so sehr darauf aus sind, mit den Menschen zu kommunizieren und die seit einigen Jahren dabei sogar die zeitgenössischen Mittel der Kommunikation – wie Telephon und Fernsehen – benutzen, die außerdem fähig sind, sowohl auf die Materie wie auf das Denken einzuwirken, sind keine ‚Wandelgeister‘, sondern schlicht Dämonen, die Menschen zu verführen suchen, die nach Informationen über das Jenseits Ausschau halten.
Wenn die Flamme der Hoffnung auf die Auferstehung verloschen ist, ergreift man bereitwillig jede Hoffnung; man hört jeder Stimme, die von der anderen Seite des Schleiers kommt, gläubig zu: die gefallenen Engel könnten sich nicht Besseres wünschen!
«Seid mir geheiligt; denn ich, der Herr, bin heilig, und ich habe euch von all diesen Völkern ausgesondert, damit ihr mir gehört. Männer oder Frauen, in denen ein Toten- oder Wahrsagegeist ist, sollen mit dem Tod bestraft werden. Man soll sie steinigen, ihr Blut soll auf sie kommen. (Lev. 20, 26-27)» Wenn die Heilige Schrift und die Kirche die Christen in diesem Bereich so ernsthaft vor jeder Neugier warnen, dann nur, um sie vor der Selbstentfremdung zu schützen, die eine unvermeidbare Folge der Teilnahme an dieser Art Sitzungen ist.
Der Mensch ist dazu bestimmt, Tempel des Heiligen Geistes zu werden (1 Kor. 3, 16), und nicht Bezugspunkt für Dämonen, die sich als «Totengeister» ausgeben.
«Beugt euch nicht mit Ungläubigen unter das gleiche Joch!», sagt der Heilige Paulus an einer besonders kraftvollen Textstelle auch. «Was haben denn Gerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemeinsam? Was für ein Einklang herrscht zwischen Christus und Beliar? Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes; denn Gott hat gesprochen: „Ich will unter ihnen wohnen und mit ihnen gehen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Zieht darum weg aus ihrer Mitte, und sondert euch ab“, spricht der Herr, „und faßt nichts Unreines an. Dann will ich euch aufnehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein“, spricht der Herr, der Herrscher über die ganze Schöpfung.(2 Kor. 6, 14-18)»